Von der CO2-Währung zur Syntropiewährung

Durch Ökosteuern wird eine Effizienzrevolution herbeigeführt - vorausgesetzt natürlich, dass sie in einer ernsthaften Höhe eingeführt werden. Durch eine CO2-Währung natürlich auch, aber vielleicht langsamer, weil man nicht so viel Geld damit verdienen kann. Vielleicht aber auch schneller, weil die Steuerung von der Nachfrageseite her (Vermeidung von CO2-Kosten) viel rigoroser wirkt.

Eine Nebenwirkung, die die Ökosteuer ebenso wie die CO2-Wirtschaft belasten könnte: Durch Drehen an der Energiepreisschraube bzw. durch Einengung des CO2-Budgets werden zwar primär die erwünschten Vermeidungs- oder Einsparungsreaktionen (also Effizienzsteigerung) herbeigeführt, aber vermutlich auch Ausweichmanöver angestoßen, wie z.B. Einsparung von Energie bzw. CO2 zu Lasten von mehr Materialverbrauch, Einsatz von schädlichen Chemikalien, Unterlassung von bisherigen Umweltschutz-Praktiken, weil sie die Energie- oder CO2-Seite belasten. Das bedeutet (für Ökosteuer ebenso wie für CO2-Wirtschaft):

1. Die herkömmliche Umweltschutz-Funktion des Staates ist zuerst einmal nicht weniger, sondern eher mehr gefordert, um weiterhin schädliche Umwelteinwirkungen zu erkennen, zu verbieten und die Einhaltung der Verbote zu überwachen.

2. Schadwirkungen, die nicht mit Energieverbrauch bzw. CO2-Emission korrelieren, also von diesem Hebel nicht beeinflusst werden, müssen allmählich in die Besteuerung bzw. die Berechnung der Syntropiebelastung einbezogen werden. Dabei wäre als Strategie anzustreben, dass nicht oder nur schwach mit dem Energieverbrauch korrelierende Schadwirkungen (wie Flächenverbrauch, giftige Chemikalien, Verschmutzung der Küstengewässer - nur ein paar ziemlich beliebige Beispiele) nicht nach dem Prinzip der täglichen Umwelt-Schlagzeile, sondern aufgrund einer rationalen Abwägung in die Rechnung einbezogen werden. Die Reihenfolge, in der weitere Umwelteinwirkungen berücksichtigt werden, sollte sich daraus ergeben, wie stark eine bestimmte Verbrauchs- oder Nutzungsart einzelne Schadwirkungen repräsentiert. Die Strategie läuft also grundsätzlich darauf hinaus, dass nach dem 80/20-Prinzip (dem "Pareto'schen Gesetz der Ungleichverteilung") verfahren wird: Angenommen, CO2 deckt 85 % der Schadwirkungen ab, dann kommt als nächstes der Bereich, der weitere 8 % erfasst, dann der, der noch einmal 3 % einbezieht, usw. Das Ziel besteht also darin, mit einer allgemeinen Budgetbeschränkung bei ganz wenigen Inputs oder Outputs einen möglichst großen Anteil der ökologischen Schadwirkungen abzudecken (z.B. 98 %), damit nur noch für einen sehr kleinen (und schrumpfenden) Teil (hier 2 %) Detailregelungen und Detailüberwachungen nötig sind. Dadurch wird ein Iterationsprozess in Gang gesetzt, der darauf hinausläuft, dass die CO2-Rechnung schrittweise durch die wichtigsten Umweltbeanspruchungen ergänzt wird, die über die CO2-Anlastung nicht erfasst werden. In diesem Prozess wird die CO2-Rechnung allmählich zu einer Syntropierechnung verfeinert, so dass die damit entstehende Syntropiewährung annäherungsweise ebenso allgemein und unterschiedslos als Allokations- und Optimierungsmittel (für die Nutzung von Syntropie) wie das Geld (für den Einsatz von Kapital) funktioniert.

 
 
 
 
 
 
AUSSTIEG AUS DEM CRASH